Stellvertreterin zu sein ist nicht ganz einfach: nicht mehr Kollegin und noch nicht Boß, schon Verantwortung, aber noch keine Entscheidungsfreiheit. Eine Geschichte über drei Frauen auf der Stufe kurz vor oben |
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Es gibt Leute, die haben eine ungewöhnliche Einstellung zur Karriere. "Ich will Boß sein, aber keiner werden", sagen sie und warten darauf, direkt in den Chefsessel gehoben zu werden. Meistens vergeblich. Für alle anderen, die ein bodenständigeres Verhältnis zum beruflichen Aufstieg haben, führt der Weg nach oben über das Stellvertreterdasein. Und die Nummer zwei zu sein ist eine echte Reifeprüfung: Stellvertreter haben einen Haufen Verantwortung, aber nie die volle Entscheidungsfreiheit. Sie müssen ihrem Vorgesetzten den Rücken freihalten, dürfen ihm aber auch keine Konkurrenz machen. Heike Schock, 30, ist Assistentin der Geschäftsführung bei der Firma Raab Karcher Tankstellentechnik. Alles geht über ihren Tisch, und in vielen Besprechungen vertritt sie den Vorsitzenden der Geschäftsführung. Dabei genießt sie das absolute Vertrauen ihres Chefs, hat deshalb einen gewissen Entscheidungsspielraum: "Wir stimmen uns vorher ab, aber wenn ich während des Meetings von anderen Schritten überzeugt werde, entscheide ich mich um und informiere ihn im nachhinein." Dieses Vorgehen verlangt eine perfekte Mischung aus Loyalität dem Chef gegenüber und Mut, auch eigenverantwortlich zu entscheiden. Nur wer diese Mischung beherrscht, ist eine gute Stellvertreterin. Vertrauen baut sich auch im Berufsleben bekanntlich nur langsam auf. Heike Schock hat bei ihrem Chef mit Charme und Engagement neue Umgangsformen eingeführt, und sie sagt klar, wie sie etwas sieht. Ihr Chef Jörg Reiner Dimke mußte deshalb anfangs gelegentlich schlucken. Mittlerweile ist er ausgesprochen zufrieden mit Frau Schock an seiner Seite: "Sie ist sehr, sehr offen und hart in der Sache. Das ist toll, denn Kritik kommt sonst nur gefiltert bei mir an." Heike Schock: "Von dieser Arbeitsweise profitieren wir beide." Dabei wippt sie auf ihrem Stuhl wie auf einem Sprungbrett. "Irgendwann will ich noch weiter nach vorn, ganz nach oben." Viele Stellvertreterinnen wagen den Sprung aus der zweiten in die erste Reihe nie, denn die Position der Zweiten bietet auch ein bequemes Maß an Sicherheit. Die letztendliche Verantwortung liegt immer beim Chef. Wenn Köpfe rollen, rollen sie meist an der Spitze. Es geht allerdings auch andersherum: Stellvertreterinnen müssen oft die Fehler ihrer Chefs ausbügeln, und wenn das zum Dauerzustand wird, ist eine Kündigung meist der einzige Ausweg. |